Es ist mittlerweile Februar 2024. Es sind über 9 Monate Wartezeit vergangen. Das erste Kind aus unserer Gruppe hatte bereits den ersten Geburtstag. Die Eltern alle offiziellen Urkunden und sind nun somit die offiziellen Adoptiveltern mit allen Rechten und Pflichten. Und wir, wir warten immer noch. Aller 2 bis 3 Monate schreiben wir eine E-Mail ans Jugendamt, das wir noch Interesse haben. Das letzte Mal nun im Januar, haben wir angerufen. Wir haben Frau Schumann-Dürr erreicht. Sie hat uns noch auf dem Schirm sagt sie, aber im Moment ist nichts in Sicht. Nur schwierige Fälle, mehr konnte sie nicht sagen. Frau Al-Absi war bei einer Gruppe und schulte sie währenddessen.
Eine Woche später kam eine E-Mail von Frau Schumann-Dürr, dass sie unsere Akte gerade in den Händen halte und wir angeblich das Thema Drogen nicht ganz besprochen hätten. Laut Akten haben wir Drogen bei der Mutter während der Schwangerschaft ausgeschlossen, sie fragte nun, wie es mit „leichten“ Drogen wie Cannabis aussieht. Ich erhielt diese E-Mail, als ich gerade im Büro war und war gleich ganz aufgeregt. Ich rief Sebastian an, der ebenfalls diese E-Mail erhalten hatte. Nun überlegten wir hin und her, wie wir darauf antworten sollten. Wir googelten, ließen uns etwas Zeit, um keine Schnellschussreaktion hinzulegen. Cannabis ist Plazentadurchgängig, geht also direkt zum Kind. Viele Kinder haben nachweislich durch CT-Untersuchungen in verschiedenen Studien dadurch veränderte Gehirnstrukturen, sie neigen zu Aggressivität und starken Ängsten.
Wir antworteten also, das wir ein Kind nehmen würden, wenn der Cannabis Konsum gering ist. Aber am Ende, wer weiß das schon. Die abgebende Mutter kann ja alles erzählen. Es kommt also auch hier auf die Erfahrung des Jugendamtes an.
Zusätzlich haben wir überlegt uns parallel in Halle/S. zu bewerben. Wir informierten in unserem „wir haben noch Interesse Telefonat“ mit Frau Schumann-Dürr von unserem Vorhaben. Wir schrieben Halle an und sendeten erste Unterlagen mit. Ein paar Tage später rief Frau Al-Abis an. Sie schien darüber nicht so glücklich zu sein. Oh man… Sie fragte uns allen ernstes wieso wir uns so unter Druck setzen. Ich bin so baff über diese Frage gewesen. Vermutlich ist der Druck bei ihr ebenfalls hoch. Denn sollte Halle ein Kind für uns haben, wären wir aus dem „Potentielle-Eltern-Pool“ in Leipzig raus. Vielleicht haben sie auch schon eine Schwangere im Auge, die ihr Kind abgeben will, es aber noch dauert. Allerdings dürfen sie das uns nicht sagen, denn die Mutter kann sich ja noch vor der Geburt umentscheiden. Alles nicht so einfach, auf beiden Seiten. Nun meinte sie in dem Telefonat, dass wir wohl was unterschreiben müssen, damit sie Unterlagen nach Halle schicken kann und sie will mit uns nochmal darüber reden. Wir haben also nun am 21.2.24 einen Gesprächstermin im Jugendamt. Uns kommt es aber ein bisschen wie „Hinhalte-Taktik“ vor. Wir werden sehen.
Während dieser Zeit erzählte uns unsere Freundin Heike, die im UKL arbeitet, dass da ein kleiner Junge liegt und aufgepäppelt wird. Die Mutter hat am Bahnhof entbunden und war dabei voll zugedröhnt mit Drogen und vermutlich auch Alkohol. Ein Taxifahrer hatte das mitbekommen und den Notarzt verständigt. Das Kind hing noch in der Unterwäsche der Frau, die die Geburt und die Tragweite für das Kind fast gar nicht wahr genommen hatte. Das Baby hat wohl ziemliche Entzugserscheinungen und muss im UKL behandelt werden. Die Mutter hat es zur Adoption freigegeben, aber sie hätte es unter diesen Umständen eh nicht behalten dürfen. Das sind die Geschichten, um die sich das Jugendamt tagtäglich kümmern muss, während wir auf ein einigermaßen gesundes Kind hoffen.
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